Blindenhund: Aufgaben und Ausbildung eines Blindenhundes

Blindenhunde sind weit mehr als Haustiere: Sie sind unverzichtbare Helfer, die Menschen mit Sehbehinderung ein hohes Maß an Sicherheit, Orientierung und Selbstständigkeit schenken. Sie sind speziell ausgebildet, um den Alltag ihrer Menschen zu erleichtern und ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Doch welche Aufgaben übernehmen Blindenhunde eigentlich und wie läuft die Ausbildung ab? In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige rund um den Blindenhund.

Frau läuft mit einem Blindenstock neben ihrem Blindenhund

Aufgaben eines Blindenhundes

Blindenhunde unterstützen ihre Menschen in vielen Lebensbereichen. Sie sind speziell trainiert, Gefahren zu erkennen, Hindernissen auszuweichen und Orientierung zu geben. Die wichtigsten Aufgaben eines Blindenhundes sind:

  • Sicheres Führen auf Straßen, Gehwegen und in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Hindernisse erkennen und geschickt umgehen
  • Orientierung in neuen oder unbekannten Umgebungen geben
  • Emotionale Unterstützung und Sicherheit im Alltag

In der Regel beherrschen Blindenhunde zwischen 40 und 70 Kommandos. Wusstest du zum Beispiel, dass ein Blindenhund einen freien Sitzplatz im Bus finden kann oder den Weg zur Arztpraxis kennt?

Neben diesen Aufgaben ist der Blindenhund immer auf seine zugewiesene Person konzentriert. Er reagiert nicht auf Anweisungen von Fremden und sollte während der Arbeit niemals abgelenkt oder berührt werden. Wichtig ist, dass die Halter*innen Arbeit und Freizeit für den Blindenhund konsequent trennen. Trägt der Hund sein Führhundgeschirr, ist er im Dienst. In seinen wohlverdienten Pausen darf er aber auch einfach mal Hund sein und mit anderen Vierbeinern herumtoben.

Wie wird ein Blindenhund ausgebildet?

Die Ausbildung eines Blindenhundes ist anspruchsvoll und erfordert viel Fachwissen sowie Geduld. Auch wenn die Ausbildung in der Blindenhundeschule unterschiedlich lang sein kann, dauert sie in der Regel nicht länger als 18 Monate und gliedert sich dabei in mehrere Phasen. Über diesen Zeitraum hinaus lernt der Blindenhund stets weiter, damit er seinen Halter oder seine Halterin beispielsweise sicher an neue Orte führen kann.

1. Welpenalter und Patenfamilie

Zunächst wird der Hund bereits im Welpenalter auf sein Wesen und seinen Gesundheitszustand getestet. Einige Blindenhundeschulen züchten sogar selbst Blindenhunde.

Kann der Welpe alle Anforderungen erfüllen, verbringt der Hund meist etwa ein Jahr in einer Patenfamilie, in der er intensiv sozialisiert wird. Dort lernt er den Umgang mit Menschen, anderen Hunden, lauten Geräuschen und Verkehrsmitteln. Auch grundlegende Verhaltensweisen wie Stubenreinheit und Friedfertigkeit werden trainiert.

2. Intensives Training in der Blindenhundeschule

Hier lernen die Hunde, sicher im Führgeschirr zu gehen, Hindernisse zu erkennen und Kommandos wie „Weiter“, „Such Ampel“, „Sitz“ oder „Platz“ auszuführen. Das Training erfolgt meist mit sehenden Personen, die die Übungen kontrollieren und Erfolge mit Lob oder Belohnungen bestätigen.

3. Kennenlernphase

Nach dem Training folgt die Kennenlernphase zwischen Hund und zukünftiger Halterin oder zukünftigem Halter. Sie beginnt in der Ausbildungsstätte und wird anschließend in der Wohngegend der sehbehinderten Person fortgesetzt. Diese Phase dauert 2 bis 4 Wochen und soll zeigen, ob Hund und Mensch als Team harmonieren.

4. Gespannprüfung

Die Ausbildung schließt mit der Gespannprüfung ab. Hier müssen Hund und Mensch gemeinsam zeigen, dass sie sicher zusammenarbeiten können, Kommandos verstehen und Abgründe zuverlässig meiden.

Wer einen Blindenhund ausbilden möchte, sollte sich immer an professionelle Einrichtungen wenden. Die Ausbildung ist komplex und erfordert erfahrene Trainer sowie konsequentes Training. Aus diesem Grund sind Blindenhunde dementsprechend teuer und können mit Kosten in Höhe von bis zu 30.000 € einhergehen.

Welche Rassen eignen sich als Blindenhund?

Nicht jeder Hund eignet sich für die anspruchsvolle Arbeit als Blindenhund. Die Schulterhöhe des Hundes sollte zwischen 50 und 65 cm liegen, damit das Führhundgeschirr optimal sitzt. Besonders häufig werden Labrador Retriever, Golden Retriever und Deutsche Schäferhunde eingesetzt. Diese Rassen zeichnen sich durch ihre ruhige Art, hohe Lernbereitschaft und ausgeprägte Sozialkompetenz aus.

Neben diesen klassischen Rassen gibt es auch Mischlinge, die durch ihre Persönlichkeit und ihren Charakter die Aufgaben eines Blindenhundes übernehmen können. Entscheidend ist vor allem, dass der Hund geduldig, aufmerksam und belastbar ist.

Wichtige Hinweise für den Umgang mit Blindenhunden im Alltag

Blindenhunde sind während ihrer Arbeit hoch konzentriert. Damit sie ihre Aufgaben sicher erfüllen können, gilt:

  • Nicht anfassen oder ablenken, wenn der Hund im Geschirr arbeitet
  • Abstand halten und keine Aufmerksamkeit fordern
  • Gespräche oder Spielangebote nur außerhalb der Arbeitszeit des Hundes

Auch Blindenhunde sind süß, keine Frage. Aber diese Regeln sind essenziell, um die Sicherheit des Menschen zu gewährleisten und dem Hund die nötige Konzentration zu ermöglichen.


Alles Wichtige im Überblick

Blindenhunde sind außergewöhnliche Begleiter, die Menschen mit Sehbehinderung ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Sicherheit schenken. Ihre Ausbildung ist anspruchsvoll und erfordert Fachwissen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch. Wer einen Blindenhund ausbildet oder im Alltag nutzt, profitiert von einem verlässlichen, treuen Partner, der Orientierung und emotionale Unterstützung bietet. Gleichzeitig ist es wichtig, die Arbeit der Hunde zu respektieren und sie während ihres Einsatzes nicht zu stören. So können Mensch und Hund optimal zusammenarbeiten und ein starkes Team bilden.

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